Ultima Online

Was war 1997 doch für ein Jahr! Neben Meridian 59 kam auch „Ultima Online“ in meine MMORPG-Sammlung. Wobei mein Account nur auf die 30-Tage-Testzeit beschränkt war und da ich keine Kreditkarte hatte, endete damit eigentlich auch schon wieder alles für mich. Von den offiziellen Servern habe ich somit nur wenig mitbekommen.

Ein Haus in Ultima Online, welches man detailreich selber gestalten konnte.
Ein Haus in Ultima Online, welches man detailreich selber gestalten konnte.

Doch nur wenige Jahre später blühte die Freeshard-Szene von UO richtig auf und es entstanden sehr viele kostenlose Server mit eigenen Karten und vielen modifizierten Möglichkeiten. Darunter einige „Rollenspiel-Server“, die sich strikt dem richtigen Rollenspiel verschrieben hatten und nicht jeden Spieler aufgenommen haben. Man musste tatsächlich eine Bewerbung schreiben, die eine komplett ausgearbeitete Charaktergeschichte enthielt und zur Rollenspielgeschichte des jeweiligen RP-Freeshards gepasst hat. Und auch wenn man angenommen wurde, war man stets unter den kritischen Augen der Gamemaster, die darauf acht gaben, dass sich jeder an die Server-Regeln und das Rollenspiel hält. OOC-Gespräche (Out Of Character, d.h. beispielsweise über Fussball oder Nachrichten reden) waren im Spiel auf solchen Servern meist strikt verboten. Man hatte also die Rolle zu spielen, für die man sich beworben hatte und ein Zwerg oder Elf unterhält sich nunmal nicht über Fussball. Das kennt er nicht mal. 😉

Das hatte alles seinen Reiz für mich. Man musste zwar zunächst viel lesen und lernen (beispielsweise die Sprache der Waldelfen; ich konnte damals Isdira und Sindarin), wurde dann aber mit teils filmreifen Geschichten und Abenteuern belohnt und wieder auch Teil einer heroischen, familiären Gemeinschaft. Zudem gab es auch hier bereits ein Housing-System, d.h. man konnte Ressourcen erfarmen und daraus, irgendwo auf der Karte (oder an festgelegten Orten), sein eigenes Haus oder das der Gilde errichten. Die Spieler waren dabei sehr kreativ und hatten viel Spaß. War man also Handwerker (ich war sehr gerne Holzfäller, Schreiner und Bogenbauer), kamen oft auch Kunden vorbei und gaben ihre Bestellungen in Auftrag oder nahmen gleich schon gefertigte Produkte für klimpernde Goldmünzen mit.

Zwar gab es in UO auch einen großen PvP-Teil, jedoch hab ich überwiegend, zusammen mit anderen Spielern, kooperativ größere Dungeons erforscht oder große Monster (beispielsweise Drachen) erlegt. Ansonsten hatte man in der meist überschaubaren Rollenspiel-Gemeinde seine Aufgabe um die jeweilige Gemeinschaft weiter vorran zu bringen und somit war immer etwas zu tun.

In Ultima Online lernte ich viele tolle Menschen kennen. Auch hier nicht nur im Spiel, sondern es gab auch Treffen im echten Leben. Darunter sogar eine, leider nur von kurzer Dauer, entstandene Fernbeziehung zu einer sehr lieben Dame, die aufgrund der großen Entfernung (und weil ich noch in der Ausbildung war) leider keine wirkliche Chance hatte. Rückblickend waren aber auch all diese Erfahrungen und Bekanntschaften prägend für mein weiteres Leben und ich möchte keine Sekunde davon wieder eintauschen.